Hi Susa,
ich war etwas im Stress, deswegen hatte ich erstmal nur so knapp geschrieben. Aber ich erzähle gerne mehr.
Akromegalie ist der medizinische Ausdruck für Riesenwuchs oder auch Gigantismus. Die Hypophyse ist die Hirnanhangsdrüse, die einige Vorgänge im Körper steuert, unter anderem reguliert sie den Hormonhaushalt. Es gibt verschiedene Arten von Tumoren, die in der Hypophyse entstehen können und auch verschiedene Krankheitsbilder hervorrufen können. In Fall meiner Hündin Bailey (Langhaar Collie, im Januar 10 Jahre geworden) handelt es sich um eine Tumorart, die die Hirnanhangsdrüse dazu bringt, Unmengen von Wachstumshormonen auszuschütten.
Diese Krankheit gibt es auch bei Menschen und Katzen (vermutlich auch noch bei anderen Tieren), ist aber bei allen extrem selten. Vielleicht hast Du in den Medien schonmal von Menschen jenseits der 2,40 Meter gehört, in der Türkei gab/gibt es einen relativ bekannten Fall. Wissenschaftler gehen davon aus, daß bei Menschen mit einer Körpergröße von 2,40 Meter, 2,50 Meter und mehr immer ein solcher Hypophysentumor vorliegt.
Die immense Ausschüttung von Wachstumshormonen führt zu einem unnatürlichen Wachstum sowohl der Weichteile als auch der Knochenmasse. Bei meiner Hündin muß ich damit rechnen, daß vor allem der Schädel breiter wird, die Pfoten größer, die Gliedmaßen nicht mehr so richtig zusammenpassen wollen. Das kann Probleme mit dem Bewegungsapparat geben und natürlich Schmerzen verursachen.
Außerdem kann diese Krankheit zu einer Diabetes führen, da die Hypophyse insgesamt für die Hormonsteuerung zuständig ist. Während Diabetes aufgrund von Problemen mit der Bauchspeicheldrüse beim Hund in der Regel mittels Tabletten gut einstellbar ist, ist eine Diabetes durch einen Hypophysentumor nur schwer einstellbar, weil die Hormone verrückt spielen und ständig wieder durcheinander geraten.
Bis jetzt hat meine Bailey "nur" wucherndes Zahnfleisch und eine Zunahme der Knochenmasse im Kiefer. Wahrscheinlich wächst da auch noch mehr im Körper, aber das ist, was bisher "sichtbar" wurde.
Aufgefallen ist das ganze bei einer Zahnsanierung. Ich lasse meine Hunde einmal im Jahr durchchecken. Daß Bailey viel Zahnstein hatte, war offensichtlich, aber die Tierärztin hat auch eine Fistel im Zahnfleisch gefunden, aus der Eiter kam. Da sie im Januar 10 Jahre alt wurde, wollte ich die Zähne nochmal gründlich sanieren lassen, in der Hoffnung, bis zu ihrem Lebensende in hoffentlich weiter Ferne keine Vollnarkose mehr zu benötigen.
Während der Behandlung fiel auf, daß Bailey abartig viel Zahnfleisch hatte, mehrere Zähne waren bereits komplett unter Zahnfleisch verschwunden. Das hatte auch die Fistel verursacht, da lag ein Zahn tief in einer Art Tasche und gammelte vor sich hin. Der Eiter hat dann einen Weg nach außen gefunden. Das überschüssige Zahnfleisch wurde mittels eines Kauters entfernt (Kauter = mit Strom wegbruzzeln, dann blutet es weniger). Dabei ist die Tierärztin ziemlich schnell auf Knochen gestoßen, wo kein Knochen sein sollte. Zum Glück hatte meine Ärztin diese Krankheit vor Jahren schonmal bei einer Katze und ahnte daher, was los ist. (Häufig wird die Krankheit nicht bzw spät erkannt, weil sie so extrem selten ist.)
Meine Tierärztin hat dann reichlich gegoogelt und mit diversen Spezialisten telefoniert, um sich ihre Vermutung bestätigen zu lassen. Am nächsten Tag, bei der Nachuntersuchung, hat sie mir dann die Diagnose mitgeteilt.
Das ist jetzt die lange Version für alle, die es interessiert ...
