Gegen Ende der Saison ist man ja immer so ein bisschen groggy und ganz dankbar für die Winterpause. So langsam juckt es ja doch wieder. Oder nicht? Fragt ihr euch auch manchmal, was man sich da eigentlich antut? Ich habe mir mal ein paar Gedanken zu gemacht, nicht ganz ernst gemeint.
Aus dem Leben eines Turnierfahrers
MONTAG
Nachdem ich abends mein Pferd gearbeitet habe fahre ich ins Nachbarkaff und hole den Wohnwagen aus der Scheune eines Bauern, stelle ihn vor der Haustür ab und fange an Klamotten für 2 menschliche und ein tierisches Teammitglied systematisch und Platzsparend einzupacken. Ich bin nur noch kaputt, falle ins Bett und schlafe wie ein Stein.
DIENSTAG
Nachdem ich einen Großeinkauf für insgesamt 4 menschliche Teammitglieder für 3 Tage Camping auf dem Turnierplatz gemacht habe arbeite ich irgendwann spätabends mein Pferd. Ich bin nur noch kaputt, falle ins Bett und schlafe wie ein Stein.
MITTWOCH
Nachdem ich abends mein Pferd gearbeitet habe wasche ich zwei Kutschen und pflege zwei Paar Geschirre. Ich bin nur noch kaputt, falle ins Bett usw.
DONNERSTAG
Nachdem ich abends mein Pferd gearbeitet habe wasche ich es, flechte Mähne und Schweif ein. Zuhause suche ich je nach Wetteraussichten weitere Utensilien zusammen und packe abschließend den Wohnwagen. Ich bin nur noch kaputt, falle ins Bett usw.
FREITAGMITTAG
...fahre ich 40 km um einen Leih-LKW zu holen. Fahre zurück zum Stall, und ziehe faktisch aus: Ich packe zwei Kutschen und zwei Geschirre, sämtliche Pferdutensilien und -fressalien für 3 Tage, Sattel zum Reiten abends auf dem Turnierplatz und was das Pferd sonst so zum Überleben braucht oder brauchen könnte auf den Lkw. Die Mitstreiter treffen ein, wir hängen den Wohnwagen an den Lkw, Pferdehänger an den Pkw und fahren frisch und fröhlich mind. 2 Stunden auf irgendeinen in der tiefsten Pampa versteckten Turnierplatz.
FREITAGNACHMITTAG
Leider sind wir dort nicht die ersten. Ein Lkw blockiert die Einfahrt, wir müssen warten. 5 weitere hängen schon an der einzigen Steckdose der Stromversorgung und haben diese bereits zum Erliegen gebracht. Uns bleibt nur noch der Platz in der Senke. Während ich das Pferd reite, damit es sich auch noch ein bisschen die Beine vertritt und die Gegend kennenlernt baut mein Team den Wohnwagen samt Vorzelt und Grill auf und sorgt dafür, dass die Kühlbox mit dem Bier Strom hat. Das Pferd wird in seine Gastbox gebracht, die wie immer mind. 10 km vom Platz entfernt ist. Das Team schmeißt die Steaks auf den Grill. Gerade als wir anfangen wollen zu essen geht ein Gewitter runter, das Vorzelt läuft voll, wir flüchten in den Wohnwagen und beschließen ins Bett zu gehen. Schade, dass man vorher noch eine 10minütige Radtour zum Vereinscasino machen muss, wo die einzige Toilette mit dem einzigen Waschbecken ist.
Währenddessen stelle ich fest, dass in der Eile des Aufbruchs ein nicht ersetzbares Utensil vergessen wurde ohne das man nicht starten kann. Da letztlich der Fahrer für alles verantwortlich ist, steige ich stumm ins Auto, fahre bei Nacht und Nebel 2 Stunden nach Hause, packe das Teil ein und fahre 2 Stunden zurück. Der Rest des Teams hat beschlossen kollegial auf den Fahrer zu warten und hat sich bei den Nachbarn auf einen netten Umtrunk niedergelassen. Als der Fahrer zurückkommt sind alle betrunken aber glücklich. Da in 6 Stunden die Dressurprüfung beginnt schickt der Fahrer alle ins Bett obwohl sich heftiger Widerstand breit macht.
Ich bin nur noch kaputt, falle todmüde ins Bett - und kann nicht schlafen. Mein eines Teammitglied schnarcht, das Pferd des Nachbarn kaut lautstark sein Heu und auf der anderen Seite klimpert eines mit seiner Anbindekette. Am anderen Ende des Platzes wird immer noch gefeiert, auch wenn grad der nächste Schauer runter kommt.
SAMSTAG
Morgens um 1/2 6. Es regnet Hunde und Katzen. Weitere Teilnehmer rumpeln mit ihren Lkws und Anhängern auf den Platz. Die ersten freilaufenden Köter kloppen sich. Pferde wiehern und verlangen lautstark Futter. An Schlaf ist jetzt nicht mehr zu denken. Alle Mann aufstehen. Das Team ist verkatert und mault. Einer muss trotzdem los, Brötchen holen und das Pferd füttern. Die anderen treten die Reise zum Waschraum an. Irgendwann sitzt der Fahrer im strömenden Regen auf dem Bock, die blinkende Kutsche verschlammt, das gewaschene Pferd klatschnass, das Geschirr matt und feucht. Regen läuft über die Hutkrempe in den Nacken. Das Dressurviereck gleicht einem Schlammtümpel, der Boden lässt eine Zugleistungsprüfung vermuten. Den Richter kennt man auch, der ist so alt und blind, dass er nur bis X gucken kann. Dahinter hat man Narrenfreiheit. Wenigstens das. Natürlich sind alle auf dem Boden nicht so schnell, ich warte schon 1 Std. auf meinen Start. Naja, irgendwie gehts doch noch vorbei. Hindernisfahren findet wenigstens auf einem Grasplatz statt, das rutscht zwar fein, aber wenigstens spritzt der Modder nicht bis auf die Schultern. Nachdem alles verstaut ist und das klatschnasse Pferd trockengelegt, kommt die Sonne zögerlich raus.
Ein guter Zeitpunkt für die Geländebesichtigung. Wir fahren auf offenen Treckeranhängern durch den Wald. Und es war Sommer.... Wir haben 30 Grad, sitzen in Shorts und Trägertop, alle sind blendender Laune. Leider verdunkelt sich schon wieder der Himmel. Als wir aus dem Wald kommen geht ein Gewitter mit Hagelschauer runter. Aua, das tut weh. Rechts und links schlagen die Blitze ein, wir flüchten unter einen nahegelegenen Schauer und fechten einen Miss-Wet-T-Shirt Wettbewerb aus... Das Gewitter verzieht sich, der Regen bleibt, wir gehen zu Fuß weiter, weil der Trecker in dem Matsch steckengeblieben ist. Jetzt ist ja auch alles egal. Zurück am Wohnwagen ist das Vorzelt das zweite Mal vollgelaufen. Wenigstens das Pferd steht trocken im Stall und freut sich - hoffentlich.
Abends findet die Siegerehrung statt, wir brauchen nicht hin, denn weder die Zugleistungsprüfung noch die Rutschpartie im Kegelparcours haben zu nennenswerten Erfolgen gereicht. Das Team grillt, trinkt gemütlich Bier, während der Fahrer über der Streckenführung und den Hindernissen des nächsten Tages meditiert, Adrenalinstöße schiebt und schlechte Laune hat.
Ich bin nur noch kaputt, falle ins Bett und kann wieder nicht schlafen, da ich die ganze Nacht Hindernisse fahre.
SONNTAG
Oh, es regnet mal wieder. Das Vorzelt steht unter Wasser, ist ja nichts Neues, man gewöhnt sich dran. Nun hat auch noch der Marathonwagen seine Chance ein Schlammbad zu nehmen. Endlich sind Pferd, Fahrer und Beifahrer regenfest und sicher verpackt, es kann losgehen. Schweigend fahren wir durch den Regen auf dem ersten Streckenabschnitt. Eine enge Kurve, flott genommen, eine Bodenwelle - hoppla, irgendwie liegen wir tiefer. Pferd angehalten - Achsbruch. Das wars dann, Prüfung beendet, Kombiwertung beendet. Pferd ausgepannt, zu Fuß 3 km zurück zum Platz. Gute Nachricht, wir können einpacken und nach Hause. Dafür muss aber erstmal der Wagen aus dem Wald geholt werden, das Vorzelt abgebaut usw.
Abends kehren wir mit nassem, dreckigem Equipment zurück in den heimatlichen Stall. Alles wird ausgepackt, der Lkw zurückgefahren.
11 Uhr, ich bin nur noch kaputt, falle ins Bett und schlafe wie ein Stein. Morgen ist ja Dienst.
MONTAG
Nachdem ich abends mein Pferd gearbeitet habe räume ich den Wohnwagen aus, mache alles sauber und wasche Berge von Wäsche und Pferdeequipment.
Eigentlich kann der Wohnwagen gleich dableiben, denn in 10 Tagen gehts ja wieder los...
Ich bin nur noch kaputt, falle ins Bett und frage mich
WARUM MACHE ICH DAS EIGENTLICH???
Ich kanns nicht beantworten, ich liebe mein Pferd und mag meinen Sport, und irgendwie ist alles ein prima Ausgleich zum Job. Aber man muss irgendwie nicht alle Latten am Zaun haben
